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Literaturprojekte im Internet

25. August 2009

Bücherläden gehören definitiv zu meinen Lieblingsorten. Ich liebe es, stundenlang in Buchgeschäften zu stöbern, Klappentexte zu lesen, schöne Bildbände vorsichtig aufzuschlagen, mir gedanklich Listen zu erstellen, welche Bücher ich als nächstes lesen will, und bei möglichen Kaufkandidaten schon mal die ersten paar Seiten zu überfliegen.
Ganz andere Möglichkeiten bietet das Internet: verschiedenste literarische Projekte und eine sich täglich vergrößernde Auswahl von Kurzgeschichten, Essays, Hörbüchern und Gedichten von bekannten und unbekannten Autoren. Auch hier kann man nach Lust und Laune stöbern, und sich neue Ideen und Lust auf Literatur und den nächsten Besuch im Bücherladen holen.

Ein sehr interessantes Projekt im Internet ist zum Beispiel dieses hier:
www.dreiundzwanzigvierzig.de/

In diesem Projekt soll ein sogenanntes „kollektives Gedächtnis“ erstellt werden. Hierzu ist jeder Besucher der Seite aufgerufen, einen kurzen Beitrag über eine besondere Erinnerung verfassen und sie einer Uhrzeit zuzuordnen. Abrufbar ist die Erinnerung dann aber nur wenn man genau zu der zugeordneten Uhrzeit auf die Seite kommt. So soll laut Einführung „ein Tag in vieler Leben“ entstehen; jedes Mal wenn man auf der Seite vorbeisurft, kann man neue Erinnerungen entdecken.
Besonders interessant finde ich, dass man nur zu den jeweils bestimmten Zeitpunkten auf die Beiträge zugreifen kann. Nicht viel anders ist ja auch unser eigenes Empfinden von Zeit: unsere Wahrnehmung des Jetzt dauert ja bekanntlich nicht länger als ein paar Minuten, bevor die eben abgelaufene Zeit als Vergangenheit verbucht wird und wir ein neues Jetzt wahrnehmen, und auf das vorherige Jetzt keinen Einfluss oder Zugriff mehr haben.
Und auch unser Gedächtnis funktioniert so ähnlich: wir haben ja auch nicht ständig und beliebig die Möglichkeit auf alle unsere Erinnerungen zuzugreifen, sondern oft bedarf es eines auslösenden Moments, der in uns eine bestimmte Erinnerung hervorruft. Andere Erinnerungen wollen einem einfach manchmal partout nicht einfallen (besonders in Prüfungssituationen), sie verschwinden für vielleicht längere Zeit oder sogar für immer.
Ein intelligent gemachtes und interessantes interaktives Projekt also, bei dem es sich lohnt, ab und zu mal vorbei zu schauen, oder selbst einen Beitrag zum großen Erinnerungsmosaik zu leisten.

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