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Das Kabinett des Dr. Parnassus

20. Januar 2010

Dr. Parnassus (Christopher Plummer) zieht mit seinem Wanderschauspielwagen und seiner kleinen Schaustellertruppe durch London. Im Wagen befindet sich ein magischer Spiegel, der Besucher den Eintritt ins Imaginarium ermöglicht, einer fantastischen Welt die genau nach den Wünschen des Besuchers  gestaltet ist. Dr. Parnassus ist unsterblich, da er einen Pakt mit dem Teufel (Tom Waits) eingegangen ist. Der Preis, den er jetzt dafür zahlen soll, ist allerdings hoch: er hat dem Teufel dafür seine Tochter Valentina (Lily Cole) versprochen, sobald diese 16 Jahre alt wird. Doch der Teufel lässt sich auf einen neuen Pakt ein: Valentina soll verschont bleiben, wenn Dr. Parnassus ihm dafür mit seinem Imaginarium 5 andere Seelen beschafft. Aber das Geschäft läuft schlecht, und die Zeit läuft davon… Da stößt eines Tages auf merkwürdige Art und Weise der undurchsichtige Tony (Heath Ledger) zur Schaustellertruppe, der ein ungewöhnliches Verkaufstalent hat…

Die Handlungsebene des Films ist recht kompliziert. Neben dem Duell zwischen Dr. Parnassus und dem Teufel nimmt auch die Dreiecksbeziehung zwischen Parnassus Tochter Valentina, dem Schausteller Anthony und Tony einen wichtigen Stellenwert ein, außerdem Tonys rätselhafte Vergangenheit. Während diese Beziehungen auf der realen Ebene des Films noch mehr oder weniger übersichtlich wären, wird durch die zusätzliche Ebene des Imaginariums das ganze schon deutlich komplizierter.

Der Film kann als Parabel aufs Geschichtenerzählen, auf die Magie von Phantasie, aber auch als Konsumkritik verstanden werden. Denn Dr. Parnassus behauptet gegenüber dem Teufel, dass niemand es verhindern könnte, dass Geschichten weiter erzählt werden. Seine Mission ist es, den Menschen eine Phantasiewelt zu zeigen und Geschichten zu erzählen. Diese haben jedoch immer weniger Interesse am Imaginarium. Dies ändert sich erst, als Tony eine bessere Vermarktungsstrategie entwickelt und das Imaginarium in einem Einkaufszentrum konsumfähig macht.
Der Film setzt außerdem einen starken Akkzent auf die Bedeutung moralischen Handelns. Das Imaginarium ist ein Labyrinth an moralischen Entscheidungen, durch die sich der Besucher seinen Weg suchen muss. Interessant ist auch die Gegenüberstellung der beiden Gegenspieler Dr. Parnassus und Teufel Nick. Weder der eine noch der andere verkörpert das Idealbild von Gut bzw. Böse: Dr. Parnassus ist ein Spieler, der für eigensüchtige Zwecke seine eigene Tochter aufs Spiel setzt, und der Teufel ist selbst an der gerechten Bestrafung eines Betrügers interessiert.

Die Vielschichtigkeit des Films eröffnet zwar vielfältige Interpretationsmöglichkeiten. Gleichzeitig wirkt der Film aber etwas überfrachtet, während keiner der Ansätze wirklich klare Konturen anzunehmen vermag. Stattdessen bleibt es bei einem Puzzlespiel an Hinweisen und losen Enden, die den Zuschauer etwas verwirrt ohne eine eindeutige Aussage zurücklassen.

Visuell ist der Film hervorragend umgesetzt worden, sowohl die Szenen in London, als auch die Effekte im Imaginarium, allein schon deswegen lohnt sich der Kinobesuch! Auch die schauspielerischen Leistungen, besonders von Heath Ledger, Christopher Plummer und Tom Waits sind sehr überzeugend. Auch der kleine Gastauftritt von Johnny Depp ist hervorzuheben, da ihm trotz des sehr kurzen Auftritts wie immer eine hervorragene Leistung gelingt (Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell haben nach dem plötzlichen Tod von Heath Ledger dessen Rolle innerhalb des Imaginariums übernommen).

Fazit: der Film ist sehr empfehlenswert, man darf allerdings keine einfache Kost erwarten! Er lässt einen nachdenklich zurück, und vielleicht muss man ihn sich mehrmals anschauen, um alle verzweigten Andeutungen und Metaphern völlig würdigen zu können.

Hier gehts zum Trailer.

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